Änderungen im bayerischen Förderprogramm für ELW - Herausforderungen für aktuelle Technik

Im Dezember 2016, kurz vor Weihnachten, hat das Bayerische Innenministerium die Fördervoraussetzungen für das Förderprogramm für einen Einsatzleitwagen (ELW) der ÖEL/UG-ÖEL den aktuellen technischen und operativ-taktischen Anforderungen angepasst.

Die maximale Fördersumme wurde erhöht und neue, bzw. ergänzende Mindestforderungen formuliert.

 

Die Änderungen:

"[...]Ab 2017 muss der ELW über folgende zusätzliche Ausstattung verfügen:

eine vom Fahrzeugmotor unabhängige Klimaanlage, ein viertes MRT, ein Radio

mit DAB+ Empfang, einen Generator mit 8 anstelle 5 kVA und einer Starthilfesteckdose.[...]"

 

Somit sind, unter Berücksichtigung der bisher gültigen Voraussetzungen und der Ergänzungen, Neubeschaffungen von ELW für UG-ÖEL in Bayern nur förderfähig, wenn Sie u.a. nachstehende Voraussetzungen erfüllen und über die dort genannte Ausstattung verfügen:

  • im ELW müssen zwei Kommunikationsarbeitsplätze vorhanden sein
  • vier BOS-Fahrzeugfunkgeräte (MRT)
  • davon ein MRT mit DMO-Repeater und
  • ein MRT mit Gateway-Funktion
  • eine Sprech- und Bedienungseinrichtung im Fahrer-/Beifahrerbereich
  • zeitgleicher Betrieb von drei MRT im TMO-Modus
  • zwei 4m-Fahrzeugfunkgeräte nach TR-BOS
  • davon muss eines über die im Fahrer-/Beifahrerbereich installierte Sprech- und Bedienungseinrichtung bedient und besprochen werden können
  • ein 2m-Fahrzeugfunkgerät nach TR-BOS

 

UPDATE 08.02.2017:
Mittlerweile wurde die geänderte Förderrichtlinie für die ELW der UG-SanEL in Bayern veröffentlicht. Die technischen Änderungen auf die in diesem Artikel eingegangen wird, sind für UG-SanEL nun ebenfalls Fördervoraussetzung

Die Herausforderungen:

TETRA-Entkopplung:

Die Sende-/Empfangseinheiten der digitalen BOS-Funkgeräte müssen, entsprechend der Norm ETSI EN 300392-2, über eine Entkopplung von >60dB verfügen. Diese Entkopplung ist über die Entfernung zwischen den Antennen auf einem Fahrzeugdach nicht machbar. Interesse an den technischen Hintergründen? Dazu haben wir bereits vor einiger Zeit einen Artikel in unserem tec(h)-blog veröffentlicht: TETRA-BOS Antennen-/Koppler-Netzwerk im ELW  - Teil 1 - Wo ist das Problem?

Deshalb werden mehrere MRT über sogenannte "Koppler" oder Koppelnetzwerke" an eine Antenne angeschlossen. Damit wird die geforderte Entkopplung technisch realisiert. 

 

 Gateway- und Repeater-Betrieb:

Die bisherige Praxis im ELW war die Verwendung eines sogenannten "ELW-Kopplers" der von verschiedenen Antennen und HF-Komponenten-Herstellern angeboten wurde. Damit war eine ETSI-konforme Entkopplung von drei MRT möglich.
Allerdings hat man sich damit den "Nachteil" eingehandelt, dass die drei MRT in bestimmten Betriebsmodus festgelegt waren. MRT1-TMO, MRT2-TMO, MRT3-DMO. Damit kommt man einsatztaktisch vielleicht gerade noch klar. Spätestens mit den neuen Voraussetzungen zur Förderfähigkeit ist die vorgenannte Lösung nicht mehr einsetzbar. Durch die Festlegung der MRT auf Betriebsmodi ist der Gateway-Betrieb nicht möglich, da das entsprechende MRT sowohl im TMO- als auch DMO-Frequenzbereich sendet und empfängt. Auch ist der geforderte Betrieb von drei Geräten im TMO nicht möglich, Einfach eine zusätzliche Antenne verbauen geht auch nicht - stimmt... da war doch was mit der Entkopplung...

 

Analog- und Digitalfunk "besprechen" und "bedienen":

In den neuen Voraussetzungen für die Förderung sind nun explizit "Sprech- und Bedienungseinrichtungen" an den Funkplätzen und im Fahrer-/Beifahrerbereich gefordert. Selbst bei modernen Digitalfunkgeräten sind in der Regel maximal zwei Bedien- und Sprechstellen je Funkgerät anschließbar. Beim alten Analogfunk i.d.R. nur eine. Und eine Besprechungslösung auf NF-Basis, wie häufig in der Vergangenheit verwendet, ist nun mal nur eine "Besprechung" und keine "Bedienung". Auch ist es eigentlich unnötig zu erwähnen, dass eine Bedienung von Geräten über Technologie- und Herstellergrenzen hinweg das Bedienpersonal schnell überfordern kann.

 

Sprech- und Bedienungseinrichtung im Fahrer-/Beifahrerbereich:

Nach den neuen Anforderungen müssen Analog- und Digitalfunkgeräte nun auch im Fahrer-/Beifahrerbereich besprechbar und bedienbar sein. Dies gilt sowohl für den Kanal- bzw. Gruppenwechsel, also auch für Fahrzeugstati. Eine entsprechende Sprech- und Bedienstelle muss vorgesehen werden. Diese sollte natürlich auf die besonderen Anforderungen im "Fahrbetrieb" abgestimmt sein. Auch ist es, im Hinblick auf die besonderen Belastungen bei Einsatzfahrten, sicher wünschenswert eine Beprechung für den Fahrer mit "Freisprechmikrofon" zu haben - so hat er jederzeit den Blick auf die Straße.

 

 

Die Lösungen:

Neues Koppelnetzwerk für ELW:

Zusammen mit PROCOM DEUTSCHLAND haben wir ein neues Antennen- und Koppelnetzwerk entwickelt, dass sowohl die Vorgaben der ETSI hinsichtlich der Entkopplung und Betriebssicherheit gewährleistet, als auch die Anforderungen aus dem Förderprogramm des STMI erfüllt.

Mit diesem neuen Koppelnetzwerk sind folgende Betriebsarten möglich:

 

 

 

Koppelnetzwerk BY-2017-I

 

MRT 1 - TMO

MRT2 - TMO

MRT3 - TMO/DMO/Gateway

MRT4 - DMO/Repeater

 

Anschluss an EINE TETRA-Antenne - KEIN Mast notwendig

Mit dem neuen Koppelnetzwerk BY-2017-I können nun 4 MRT ETSI-konform betrieben werden. Es sind bis zu 3 TMO- und 1 DMO- Gruppe, oder 2 TMO- 2 DMO-Sprechgruppen gleichzeitig nutzbar. MRT3 kann im Gateway-Modus, MRT4 im Repeater-Modus betrieben werden.

Auf Wunsch / bei Bedarf kann auch ein Antennen-Patchfeld für den Mast-Betrieb und/oder eine 2-Antennenlösung realisiert werden.

 

LARDIS:pilot - Das Mehrfachbediensystem für den Fahrerbereich:

Mehrere Funkgeräte des ELW können mit LARDIS:pilot über einen 6,1" Touchscreen, einen Handapparat und Freisprechmikro mit PTT-Taste im Fahrerbereich besprochen und bedient werden.

 

 

Neben der reinen Funkbedienung und -besprechung bietet LARDIS:pilot eine Einsatzzielführung über TETRA, sowie ein erweitertes Status-Handling (paralleler Statusversand, Status nach FMS-Richtlinie, Auswertung der Leitstellen-Bestätigungen) und viele weitere Funktionen.

 

Der ganzheitliche ELW

LARDIS als Basis für den modernen ELW:

MIt dem IP-basierten Mehrfachbediensystem LARDIS ist der ELW nach den aktuellen Anforderungen ausgestattet:

Das Konzept:

  • 4x MRT, 2x 4m analog, 1x 2m analog
  • Telefonie über LARDIS an den Funkplätzen
  • Durchsageanlage von allen Plätzen besprechbar
  • 2 Funkplätze im Fond
  • zentrale Besprechung und Bedienung der Funkgeräte im Fahrer-/Beifahrerbereich
  • Einsatz-Zielführung - Einsatzdaten über TETRA
  • komfortables Status-Handling
  • herstellerunabhängige Funkgeräteanbindung
  • Modular und jederzeit erweiterbar

Weiterhin sind natürlich alle erweiterten Möglichkeiten der neuen Kommunikationstechnologien realisierbar:

  • Multi-WAN-Router mit automatischen fall-back und fail-over
  • Internet-Zugang über LTE, WAN, WLAN und Satellit
  • Moderne Telefonkommunikation mit VoIP - intern und extern
  • Durchsage- und ELA-Anlage auf IP-Basis
  • u.v.m

Interesse an den neuen Konzepten?

Wir von elw-tec oder unsere Fachhandels-Partner und Reseller beraten Sie jederzeit gerne!

 

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